Tiergeräusche für Kinder: Warum „Wauwau“ ein richtiges Wort ist

Veröffentlicht am 20. August 2026

Sind Tiergeräusche gut für die Sprachentwicklung meines Kindes?

Ja — Tierlaute sind für viele Kinder der Einstieg ins Sprechen. Die BZgA zählt jeden eindeutig gebrauchten Ausdruck als Wort, ausdrücklich auch „wauwau“ für Hund. Tierlaute sind kurz, klingen nach dem, was sie bezeichnen, und lassen sich lange vor dem eigentlichen Tiernamen aussprechen. Eltern müssen sie nicht korrigieren, sondern nur erweitern: „Ja, der Hund macht wauwau.“ So bekommt das Kind beides — die Bestätigung und das richtige Wort.

Warum das erste Wort oft ein Tierlaut ist

Bei vielen Kindern ist das erste „richtige“ Wort gar kein Name, sondern ein Geräusch: wauwau, miau, muh. Das ist kein Umweg, sondern der normale Einstieg — die BZgA zählt als Wort jeden eindeutig gebrauchten Ausdruck, ausdrücklich auch „wauwau“ für Hund oder „nam-nam“ fürs Essen.

Tierlaute haben dafür drei unschlagbare Eigenschaften:

Sie sind kurz und einfach. „Muh“ schafft ein Mund, der an „Kuh“ noch scheitert — erst recht an „Elefant“.

Sie klingen nach dem, was sie meinen. Zwischen dem Tier und seinem Laut liegt keine Abstraktion. Das Kind hört die Kuh und sagt, was die Kuh sagt.

Sie kommen ständig vor. Bilderbücher, Spielzeug, Spaziergänge, Lieder — kaum ein Wortfeld wird im Kleinkindalltag so oft wiederholt wie die Tierlaute.

Was die Tiere auf Deutsch sagen

TierLautTierLaut
Hundwau wauHahnkikeriki
KatzemiauHuhngack gack
KuhmuhEntequak quak
SchafmähFroschquak
ZiegemähEseli-ah
Schweingrunz / oinkVogelpiep piep
PferdwieherBienesumm summ

Zwei Kuriositäten, die Kinder lieben: Ente und Frosch sagen auf Deutsch beide „quak“ — und in anderen Sprachen sagen die Tiere etwas völlig anderes. Ein englischer Hund macht „woof“, ein englischer Hahn „cock-a-doodle-doo“. Für mehrsprachige Familien haben wir die Gegenüberstellung auf Englisch: German animal sounds.

Das beste Sprachspiel kostet nichts: „Was sagt die Kuh?“

Die Frage funktioniert ab etwa einem Jahr und wächst jahrelang mit:

  1. Sie fragen, Sie antworten selbst. „Was sagt die Kuh? Die Kuh sagt muh!“ Das Kind hört das Muster, lange bevor es antwortet.
  2. Sie fragen, das Kind antwortet. Der Moment, in dem aus Zuhören Sprechen wird.
  3. Umgekehrt: „Wer sagt denn muh?“ Jetzt muss das Kind vom Laut zum Tier zurückdenken — das ist schon ein kleiner Denkschritt.
  4. Erweitern statt korrigieren. Sagt das Kind „wauwau“, antworten Sie „Ja, der Hund macht wauwau“. Kein Verbessern, kein Abfragen — das Zielwort läuft einfach mit.

Genau dieses Erweitern empfiehlt die Fachliteratur durchgängig: bestätigen, was das Kind gemeint hat, und das richtige Wort beiläufig dazulegen.

Warum Lieder dabei so gut funktionieren

Ein Tierlied ist das „Was sagt die Kuh?“-Spiel in Serienform: Jede Strophe stellt ein Tier vor, macht seinen Laut und lädt zum Nachmachen ein. Die Wiederholung, die im Gespräch irgendwann ermüdet, ist im Lied der Witz der Sache — Kinder singen dasselbe Lied vierzigmal, und mit ihm vierzigmal die Laute.

Unsere Lieder, die genau so gebaut sind:

Alle Tierlieder, sortiert mit Altersangabe: mutonia.at/tierlieder.

Vom Laut zum Wort — was danach kommt

Die Tierlaute sind ein Einstieg, kein Endpunkt. So geht es weiter, ohne dass daraus Unterricht wird:

  • Das Tier benennen, wenn der Laut sitzt: „Der Hund macht wauwau“ wird irgendwann zu „Der große Hund bellt laut“.
  • Fragen stellen, die mehr verlangen: Wo wohnt die Kuh? Was frisst sie? Warum brüllt der Löwe?
  • Nicht auf Tempo drängen. Die Spanne ist riesig: Mit 20 Monaten liegt der aktive Wortschatz normal entwickelter Kinder zwischen 50 und etwa 200 Wörtern. Ein Kind, das lange bei den Lauten bleibt, holt später in Sätzen auf.

Wenn Sie unsicher sind, ob die Sprachentwicklung Ihres Kindes im Rahmen liegt, ist die Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt der richtige Ort für diese Frage — dort wird Sprache gezielt angeschaut.

Und wenn das Lieblingstier gerade der Traktor ist: Auch dazu gibt es eine Antwort — Sind Fahrzeuglieder eigentlich sinnvoll?

Häufige Fragen dazu

Ab wann ahmen Kinder Tiergeräusche nach? +

Oft schon vor dem ersten Geburtstag. Nach den Angaben der BZgA sprechen die meisten Kinder ihre ersten Wörter zwischen ein und eineinhalb Jahren — und dazu zählen ausdrücklich auch symbolische Ausdrücke wie „wauwau“ oder „nam-nam“. Tierlaute gehören fast immer zu den allerersten, weil sie kurz sind und nach dem klingen, was sie meinen.

Soll ich „wauwau“ korrigieren und auf „Hund“ bestehen? +

Nein. Korrigieren entmutigt, und nötig ist es auch nicht. Wirksamer ist das Erweitern: Das Kind sagt „wauwau“, Sie antworten „Ja, der Hund macht wauwau“. Das Kind hört beides — sein bestätigtes Wort und das Zielwort — und wechselt von selbst, wenn es so weit ist.

Was sagen die Tiere auf Deutsch? +

Der Hund macht wau wau, die Katze miau, die Kuh muh, das Schaf mäh, der Hahn kikeriki, die Ente quak, der Esel i-ah, der Vogel piep piep und die Biene summ summ. Interessant für mehrsprachige Familien: Diese Laute sind je Sprache verschieden — ein englischer Hund macht „woof“, ein englischer Hahn „cock-a-doodle-doo“.

Bringen Tiergeräusche-Videos etwas, oder ist das nur Unterhaltung? +

Beides, wenn die Form stimmt. Ein Video ersetzt nicht das Gespräch — aber ein Lied, in dem jede Strophe ein Tier mit seinem Laut vorstellt, liefert genau die Wiederholung, die ein Kind zum Lernen braucht, ohne dass jemandem langweilig wird. Wichtig ist das Danach: Das Tier im Bilderbuch oder auf der Straße wiederfinden und fragen, was es sagt.

Mein Kind sagt nur die Laute, aber keine Tiernamen. Ist das ein Rückstand? +

In den ersten Wortschatz-Monaten nicht — die Spanne ist enorm. Die BZgA nennt für 20 Monate alte, normal entwickelte Kinder einen aktiven Wortschatz von 50 bis etwa 200 Wörtern. Wenn Sie sich Sorgen machen oder Ihr Kind mit zwei Jahren noch kaum spricht, ist die kinderärztliche Vorsorgeuntersuchung der richtige Ort für die Frage.

Quellen

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